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„…es geht um das BÖSE im Menschen und das BÖSE in der Welt!“

Elfriede Schmidt ©

Im Jahre 1987 machte ich mit Kardinal König mein erstes Interview als freiberufliche Journalistin und Buchautorin. Seit dieser Zeit verbindet mich mit dieser großen Persönlichkeit eine sehr menschliche, persönliche und von tiefem Respekt getragene Beziehung. Die vielen weiteren Gespräche und Interviews und der seit dieser Zeit kontinuierliche Schriftverkehr prägten meine Einstellung zum Leben, und neue positive Perspektiven zu Toleranz und Brückenbau eröffneten sich.

Der auf der ganzen Welt hoch geachtete und anerkannte Kirchenpolitiker, der für alle Menschen vorbildhafte Humanist ohne kalten Machtinstinkt, bekannte sich mutig dazu, dass für ihn alle Religionen in gewissem Sinne Recht haben. Dieser tiefen Überzeugung verdanke ich unter anderem, dass Kardinal König 1993 die Schirmherrschaft des von mir mit einigen Persönlichkeiten gegründeten gemeinnützigen Vereins „CCC-INTERNATIONAL – CHILDREN’S COMMUNICATION CORNER – INTERNATIONALER CLUB FÜR KREATIVE ENTFALTUNG VON KINDERN UND JUGENDLICHEN“ übernommen hatte. Dieser Verein, hat es sich zur Aufgabe gemacht, unterprivilegierte Kinder und Jugendliche unterschiedlicher ethnischer Herkunft, Religion und Nationalität mit Kindern aus ganz Österreich zusammenzuführen, ihnen sowohl materiell als auch intellektuell zu helfen und damit beizutragen dass Vorurteile in jungen Menschen erst gar nicht keimen können. Dieses Anliegen bei Kindern zu beginnen, im Sinne der Toleranz und eines Weltfriedens eine Brücke zwischen den Religionen zu bauen, gefiel dem Kardinal und er gestattete unserem Verein, für publizistische Zwecke ein Zitat, das seinen Namen tragen sollte, zu verwenden: „Den Vereinszweck von CCC und alle mit der Verwirklichung dieses Zweckes in Zusammenhang stehenden Tätigkeiten will ich gerne begrüßen“.

An ein schon vor vielen Jahren geführtes Gespräch erinnere ich mich aus Gründen der traurigen Aktualität (weltweite Zunahme erschreckend grausamer Terroranschläge, die auch vor Europa nicht Halt machen) ganz besonders. In diesem ganz allgemein vom menschlichen Leid durch Kriege und Katastrophen handelnden Gespräch ging es auch um das Thema Bombenterror, wobei er spontan über eine ihn sehr beeindruckende Begebenheit gesprochen und sehr persönliche Gedanken dazu geäußert und Grundsätzliches über den Menschen zu bedenken gegeben hatte:

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen gerne eine Begebenheit schildern, die sich gestern anlässlich einer persönlichen Einladung des polnischen Botschafters Wladislaw Bartoszewski ereignete: Ein Mitglied der jüdischen Gemeinde erzählte mir, dass es kürzlich in einer Schule war, um über Antisemitismus und den Holocaust zu sprechen. Nachdem es mit den SchülerInnen gesprochen hatte, hörte es in einem Privatgespräch zwischen einem Lehrer und dessen SchülerInnen, dass sie das nicht mehr immer hören könnten und endlich in Ruhe gelassen werden wollten. Dieses Mitglied war darüber natürlich sehr erschüttert, da es der Meinung ist, man müsse über die vergangenen Naziverbrechen immer wieder sprechen und den jungen Leuten erzählen, damit diese Verbrechen nicht noch einmal passieren können. Ich sagte, diesem Mitglied der jüdischen Gemeinde, dass ich es unter anderem verstehen kann, dass die jungen Leute davon nicht mehr hören wollen, denn der Holocaust ist ein Faktum. Aber ich sagte ihm auch, dass man sich mit diesem Faktum natürlich keineswegs „als historisches Ereignis abfinden“ darf, dass es nicht um den Antisemitismus selbst gehe, sondern um das BÖSE im Menschen und das BÖSE in der Welt. Natürlich gab es immer schon böse Menschen, aber man hatte, um den Holocaust zu ermöglichen, die technischen Möglichkeiten geschaffen und genützt. Und man kann sagen, dass das BÖSE in der Menschheit hier zu einem UNGEHUER geworden ist, so dass man heute sagen muss, dass man alles tun muss, dass so etwas nicht mehr passieren kann. Also man muss den Leuten sagen, dass es nicht nur um die Juden gehe – obwohl es natürlich im Zweiten Weltkrieg um die Juden ging -, sondern darum, dass so etwas wieder passieren kann, wenn man nicht ständig darüber spricht! Ich fürchte auch, dass so etwas wieder passieren kann! Ich hoffe natürlich, dass so etwas nie mehr passiert, aber das BÖSE ist im Menschen! Daher muss man es den Leuten immer wieder sagen und die Menschen innerlich dazu bereit machen und ihnen erklären, dass es hier nicht nur um den Antisemitismus geht, sondern darum, dass das übermorgen in irgend einem anderen Land mit irgend einem anderen Volk, das irgendeine andere Sprache spricht, passieren kann.(1)

Dieses Gespräch über das BÖSE im Menschen fand 1995 statt. Haben diese Gedanken, diese Bedenken und auch großen Sorgen des Kardinals, neun Jahre danach, nicht eine traurige Aktualität?  

Der Tod des Kardinals bedeutet für die Welt einen großen Verlust. Für unseren Verein und für mich persönlich ist dieser Verlust unsagbar schmerzlich. Ich werde im Sinne des Kardinals – wie durch ihn bis zuletzt motiviert und immer wieder von ihm postuliert - mit Kindern und jungen Menschen im Rahmen unserer Vereinsaktivitäten und grenzüberschreitenden, dem Frieden und der Völkerverständigung dienenden jährlich stattfindenden CCC- INTERNATIONAL - Kreativferien für Kinder aus aller Welt – unabhängig der Religionszugehörigkeit oder Nationalität weiter arbeiten: Kardinal König ist nicht gestorben, er ist uns nur vorausgegangen! Sein Geist lebt weiter!

(1) Elfriede Schmidt, 1945…und was dann? Dreissig Beiträge über Toleranz und Menschlichkeit. In memoriam Dr. Theodor Piffl-Perčević, Graz 1995.


 
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